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 Rundgang durch das Agnesviertel in Köln  

Die Wohnhäuser aus der Gründerzeit zieren mit Figurenschmuck versehene Fassaden sowie säulendekorierte Erker und Balkone. Im Laufe des 19. Jh. wuchs die Bevölkerung Kölns kontinuierlich an. 1855 belief sich die Zahl der Einwohner auf 107.000. Noch immer drängte sich die Stadt in dem mittelalterlichen Festungsgürtel zusammen. Nach dem Vorbild von Wien und Paris errichtete man an Stelle der abgerissenen Befestigung prachtvolle Ringstraßen. Nur wenige Teile der mittelalterlichen Stadtmauer und Tore blieben stehen.

Nach Plänen von Julius Stübben entstand die Neustadt ab 1882 mit der Grundsteinlegung des ersten Hauses am westlichen Hohenzollernring. 1888 wurden schließlich die vor den Stadttoren selbständigen Vororte eingemeindet. Blick vom Eingang der Agneskirche in Richtung Lupusstraße (links) und Neusser Straße (rechts); unten die Weissenburgstr. Richtung OLG

Die gerade einmal 100 Jahre alte neogotische Hallenkirche St.Agnes, zweitgrößte Kirche in Köln,  gibt dem Viertel den Namen. Die Kirche wurde von einem Lehrer, später Bauunternehmer und Mitglied des Reichstags - Peter Joseph Rockerath - gestiftet, eingeweiht am 21. Januar 1902. Er wollte mit dieser Kirche gleich zwei Frauen huldigen: seiner verstorbene Gattin - Mutter seiner 10 Kinder - und der Heiligen Agnes, einer 12-jährigen römischen Märtyrerin um das Jahr 300 n. Chr.

Agneskirche

Die Agneskirche vom Ebertplatz aus gesehen, unten von dort aus ein Blick auf den "Eigelstein", der dem Nachbarviertel den Namen gab.

 Eigelsteintorburg

Das Eigelsteintor gehört zu den drei Stadttoren, die von der mittelalterlichen Stadtmauer erhalten sind. Unter dem Doppelturm wacht der Kölner Bauer - eine Figur, die im Dreigestirn des Karnevals weiterlebt und historisch das Symbol für die städtische Unabhängigkeit Kölns darstellt. Wer das Original des Bauern sehen will, sollte in die Piazetta des Rathauses gehen - am Eigelstein ist ein Abguss zu sehen. . . aber das wäre schon wieder ein ganz neues Thema: das Eigelsteinviertel  

Die vorletzte kriegsbedingte Baulücke wurde nach 61 Jahren in der Neusser Straße Mitte 2006 geschlossen

Die Hansa-Brauerei ("Malzfabrik") in der Krefelder Straße 36 eröffnete am 20. Februar 1891 - bis 1920 wurde hier das Bier für die Kneipen im Agnesviertel gebraut. 

Heute erinnert nur noch diese Tafel an die Zeit. Die Brauerei ist längst edel-saniert ein Hinterhof-Schmuckstück!

Feste Größe mitten im Agnesviertel ist in der Melchiorstraße (Haupteingang) die  "Alte Feuerwache"  Alte Feuerwache im Agnesviertel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dem Engagement junger Leute in den 70er Jahren ist zu verdanken, dass die alte Feuerwache erhalten ist. Heute ist sie ein interessantes alternatives Kulturzentrum und ein wunderschönes Industriedenkmal - hier mehr

Alte Feuerwache im Agnesviertel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausgezeichnet mit dem Architekturpreis der Stadt Köln 1967 wurde die Kirche St. Gertrud (erbaut 1962 bis 1965) in der Krefelder Straße - Prof. Gottfried Böhm ist der Architekt.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick in die Ewaldistraße Richtung Alte Feuerwache; unten das Haus Weissenburgstr. 22

 

Der Hansa-Ring

Rechts das Hansa-Gymnasium, deutschlandweit bekannt aus der RTL-Serie "Mein Leben und ich"

Unten - am Südrand des Viertels liegt das ehemals höchste Wohnhochhaus Europas - früher als "Klosterfrauhochhaus" ein Begriff, in der Nazi-Zeit eines der Zentren, in denen Zwangsarbeiter tätig waren. An der Schnittstelle von S-Bahn und U-Bahn ist es heute als Stammhaus der Saturnkette Begriff für CDs und "Geiz ist geil"  usw. Inzwischen wurde das Haus teilweise zum Hotel umgebaut.

Bis in die 70-Jahre beherbergte der Altbau unten ein Krawattengeschäft - jetzt mit Büros integriert in die Glasfassade eines Versicherungskonzerns

Im Südwesten des Viertels - kurz vor dem Ende des Stadtmauerteils - steht ein kleines Denkmal für 7 Kölner Gestapo-Opfer

Im Kölner Zuchthaus Klingelpütz wurden 1933–45 nicht nur Tausende Menschen aus politischen Gründen gefangen gehalten, es wurden auch Hunderte Nazigegner, zum Teil noch in den letzten Kriegstagen, ermordet. Nach der Befreiung Kölns wurden auf dem Gelände des Gefängnisses sieben Leichen entdeckt. Sie wurden auf dem Hansaplatz beigesetzt. Später stellte man dort das Denkmal des holländischen Bildhauers Mari Andriessen auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Turnhalle der Schule ist unterirdisch - so bleibt der Blick frei auf einen Teil der Kölner Stadtmauer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von hier aus sind es nur wenige Meter bis zum Media-Park im Westen des Viertels

Mediapark im Sommer 2009 Hier der Mediapark in einer "Winterversion" aus dem Jahr 2006 sowie einer "Sommerversion" aus dem Jahr 2009. 

Das alte Eisstadion an der Lentstraße: Nach heftigen Protesten der Nutzer, vor allem der Schulkinder in den benachbarten Schulen, wurden die Abrisspläne zunächst auf Eis gelegt . . . doch nur bis Mitte Juni 2008. Hier die Abrissgeschichte und die des Neubaus

Das alte Eisstadion an der Lentstraße

Neue Wallanlagen errichtete das preußische Militär entlang der heutigen Straßenzüge Bonner Wall, Zülpicher Wall und Neusser Wall, hier bei uns das "Fort X". 1919 schuf Fritz Encke eine Grünanlage beim einzig erhaltenen Fort des inneren Befestigungsrings.

 

 

 

 

 

 

 

 

Neu entstanden am "östlichen Ende" des Viertels (Riehler Str./Auffahrt Zoobrücke) ist ein einzigartiges Gebäude - unten das Kölner Wein-Depot, oben ein (Muster- oder Lehr-) Weinberg!

Unten das Oberlandesgericht am Reichensperger Platz (Riehler Str., Ecke Weissenburgstr.) - Böll nannte es "das Schloss", er  wohnte 200 m weiter. 

Links wird ein Trakt saniert - damit der Anblick erhalten bleibt, gibt es eine riesige Fotofolie . . .

Oberlandesgericht am Reichensperger Platz

Fassaden im Agnesviertel

Weniger als die Hälfte der Häuser, die Anfang des 20. Jh. im Agnesviertel gebaut wurden, hat den 2. Weltkrieg überdauert - doch diese knappe Hälfte ist überwiegend restauriert und sehenswert . . . hier mehr Anblicke!

Skulpturenpark 

Zwischen dem Agnesviertel und  Zoo/Botanischem Garten liegt schon auf "Riehler Gelände" der Skulpturenpark, der vor Jahren von einer lokal begrenzten Windhose heimgesucht wurde, daher jetzt nur von wenigen Bäumen bewohnt wird. . . mehr

"Leider" schon nicht mehr im Agnesviertels, sondern schon im Eigelsteinviertel zwei Originale: Das Brauhaus Max Stark (Unter Kahlenhausen 67, Ecke Thürmchenswall), bekannt durch echte kölsche Kochkunst - leider so bekannt, dass man oft mehr als eine Stunde warten muss, bis ein Tisch frei wird. . . 

Kneipen und Restaurants im Agnesviertel  

 . . . in der Neusser Str. der "Stüsser", neuerdings auch mit dem Zusatz "Brauhaus" . . . leider gab es seit Jahren einen erbitterten "Krieg" zwischen dem Hauseigentümer (Brauerei) und dem Pächter (bezieht Bier von Konkurrenz-Brauer). Zum Jahresende 2008 gab die bisherige Pächterin auf - und das Traditionshaus stand lange leer! Ob es die Beliebtheit alter Tage wieder findet, bleibt abzuwarten!

. . .bekannt auch das "Moissonnier" in der Krefelder Straße 25

und etwas weiter das "Gezeiten" in der Krefelder/Ecke Balthasarstraße

 

 

 

 

 

 

 

 

. . und dann ist da das Il Rugantino (links) in der Domstr. 82 (Ecke Thürmchenswall) . . . so muss es "beim Italiener" schmecken . . .

Eines der schönsten Cafés Kölns befindet sich im Süden des Agnesviertels (Hansaring 98). Die ockerfarbenen Wände und die riesigen Fenster verleihen dem Cafe Schmitz eine charmante, warme Atmosphäre, die einen freundlichen Kontrast zu den noblen, schwarzen Möbeln darstellt. Dazu einfaches Frühstück, Jugendstilambiente, Wände mit ständig wechselnden Gemälden und Bildern unterschiedlichster Künstler und eine umfangreiche Auswahl an druckfrischen Zeitungen und Zeitschriften.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Markt auf dem Sudermannplatz im Agnesviertel besteht schon seit 1947 und ist somit der älteste Wochenmarkt Kölns. 

Und so sah es im Agnesviertel am 5. Januar 2009 aus: zur Überraschung aller auch in Köln einmal wieder Schnee - links zur Agneskirche durch schneebedeckte Zweige  und unten auf die Weissenburgstraße / Ecke Neusser Str. - übrigens auch am 9. und am 10. Januar 2010 sah es so aus! Klimawandel?!

 

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